Der Fluch der Einsamkeit

by

„Diktator meines eigenen Lebens”

In seinen Betrachtungen über das Leben im allgemeinen nennt sich der Attentäter einen „Diktator meines eigenen Lebens”. Das beste am Leben sei, dass es ende. Es sei an der Zeit, die natürliche Selektion und das Überleben der Stärksten wieder wertzuschätzen. Und im weiteren Verlauf der Überlegungen bezeichnet er sich als „Gott und Teufel meines eigenen Lebens”. Das menschliche Leben sei nicht heilig. Der Mensch sei nur eine Art unter anderen Tieren.

„Tod ist keine Tragödie, er geschieht dauernd in der Natur unter allen Arten. Nicht alles menschliche Leben ist wichtig oder wert, dass es gerettet wird. Manchmal glaube ich, dass niemand des Lebens wirklich würdig ist.” Nach langem Nachdenken sei er zu dem Punkt gekommen, an dem er nichts mehr fühle außer dem Hass gegen die Menschlichkeit und den Menschen an sich. Es gebe keine anderen universellen Gesetze als die der Natur und der Physik. „Ich bin das Gesetz, der Richter und der Henker. es gibt keine höhere Autorität als mich.”

Pekka-Eric Auvinen

Die Zeilen sind nur ein Auszug aus einem Artikel im Focus. Ich habe diesen Artikel gelesen und die letzten Zeilen haben mich extrem verwirrt und beängstigt.

Die Tat an der finnischen Schule will ich hier mit keinem Wort beschönigen. Mir ist aber die konkrete Beschreibung der Weltanschauung aufgefallen.

Ein Mensch der sich die Landkarte seines Lebens so geschrieben hat – kann keinen Kontakt zur Außenwelt gehabt haben. Er muss von sehr oberflächlichen Menschen umgeben gewesen sein.

Sicherlich ist dies ein sehr extremes Beispiel der Verzweiflung vieler Menschen, die ich in der Vergangenheit und fast täglich an vielen Menschen erleben muss.

So eine Landkarte schreibt sich nicht von jetzt auf gleich. Hier spielt die Erziehung und die Erlebnisse vieler Jahre eine entscheidende Rolle.

Es geht mir hier nicht um Schuldzuweisung aber unsere eigenen Probleme überschatten in der heutigen Zeit den Blick auf die Hilferufe unserer Mitmenschen.

Gerade wenn man auf Mallorca lebt – hier ist sich jeder selbst der Nächste und Vertrauen ist ein Fremdwort. Soviel verzweifelte Menschen wie hier habe ich noch nie erlebt.

Ich habe die Leiterin des psychologischen Dienstes aus Wien kennen gelernt. Ihr Mann ist vor ein paar Wochen verstorben und Sie hat ihre Sicht der Dinge im Bezug auf ihr Leben und der Umwelt stark verändert.

Einen Ausspruch den ich nie vergessen werde ist – “Herr Elsner – sie leben in einer Welt in der sie die Dinge nie bekommen werden die sie haben möchten wenn sie nett zu anderen Menschen sind. Wer heute nicht zusieht wo er bleibt, geht unter”

Was bedeutet dies? Beide Aussagen entsprechen der Sicht der Welt wie diese Personen die Selbe sehen und es kann und wird niemals mit unserer Sicht der Dinge zu 100% übereinstimmen – aber – ob nun ein Massenmörder oder ein Mensch der durch gewisse Umstände seine Werte in Frage stellt – hier heißt es zwischen den Zeilen zu lesen.

Wir sind von unseren Werten geprägt. Diese können sich permanent verändern und unsere Mitmenschen registrieren dies nicht einmal.

Was mich an dem gesamten Artikel gestört hat war die Ausrichtung auf fehlende Waffengesetze und Computerspiele.

Die Aussage sollte im Kern lauten, wie können wir solche Vorfälle im Keim ersticken. Welche Werte sollten von Eltern, Medien, Politikern und Lehrern vermittelt werden.

Der Fluch der Einsamkeit ist allgegenwärtig.

Durch immer Neue und grausame Schockmeldungen werden wir daran erinnert wie verzweifelt viele Menschen sind. Ich stelle nun hier die Frage:

Betrachten wir das ganze aus dem richtigen Blickwinkel?

Roland Elsner

Tags: , , ,

Eine Antwort zu „Der Fluch der Einsamkeit“

  1. qua sagt:

    wir betrachten es vor allem aus dem blickwinkel des symptoms. es werden die symptome bekämpft (waffen, computerspiele, marylin manson, schwarze ledermäntel) und auch erst dann, wenn das kind bereits in den brunnen gefallen ist.

    ich weiss nicht, was mich mehr erschuettert – die aussage des amokläufers, oder die der dame vom psychologischen dienst, deren aufgabe es ja eigentlich ist, menschen in genau den bereichen zu helfen.

    wobei ihre aussage gleich weitere fragen aufwirft:
    “sie leben in einer Welt in der sie die Dinge nie bekommen werden die sie haben möchten wenn sie nett zu anderen Menschen sind.”
    was, wenn wir uns schlicht und ergreifend die falschen dinge wünschen? DA muss das umdenken eigentlich her.

    wenn mehr menschen ihren lebenssinn zumindest zum teil darin erkennen, anderen zu helfen, selbstloser durchs leben zu gehen und nicht mehr nur an sich zu denken – dann wird es auch wieder eine chance für mehr naehe, weniger einsamkeit und glücklichere menschen geben.

    vor ein paar jahren hätte ich meine eigenen worte noch als softi-gutmensch-weltverbesserer gewäsch bezeichnet. mittlerweile gibt es eigenlicht kein schönerers kompliment mehr für mich, denn als “alter weltverbesserer” bezeichnet zu werden ;=)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.